Wie versprochen, präsentieren wir Ihnen nun Teil 3 des Beitrags von Jenny Rasche, die einen heiklen Punkt im Sozialsystem des Landkreises Sibiu angesprochen hat. Normalerweise kopiere ich nicht einfach Inhalte, doch diese Gräueltaten müssen ans Licht, damit sich die Geschichte nicht wiederholt.
Meine Frage lautet: Was haben diese Menschen vor Gott verbrochen, dass sie vom Schicksal geschlagen und wehrlos geboren wurden? Und wer sind die Angestellten der DGASPC Sibiu, die sie wie Dreck behandeln?
Wenn du Gott spielst und hoffst, dass die Wahrheit mit diesen Schurken begraben wird:
Elli – Teil 3
Während meiner Kindheit bin ich ziemlich oft vom Pferd gefallen. Ich habe das damals als nicht sehr dramatisch empfunden. Und auch heute im Nachhinein sehe ich das genauso. Mein Vater hat immer zu mir gesagt: „Jenny, du bist ein Stehaufmännchen.” Bezüglich dieser Theorie über die Art meines Seins grübelte ich noch bis in meine Jugend.
Nach meinen Erfahrungen, die ich als junge Frau hier in Rumänien machen musste, hatte all das meine Sicht auf das ganze Leben und Wirken verändert. Es braucht wahrscheinlich Menschen in einer Gesellschaft, die das Rückgrat haben, trotz schwieriger Situationen weiter zu kämpfen für all diejenigen, die sich nicht selbst helfen können. Kapitulation vor einem politischen System, welches aus Menschen mit Behinderungen ausgegrenzte bzw. entmenschlichte. Der Kampf für Menschenrechte schien von klein auf zur Lebensaufgabe zu gehören. Irgendwie schien es so, als ob meine Bestimmung für dieses Leben älter war, als ich selbst.

Wie auch immer, ich ließ mich nicht entmutigen. Immer wieder versuchten wir, Hilfslieferungen in das Heim zu bringen und zu verteilen. Ein weiteres heftiges Detail entmutigte mich kurzzeitig: Die Köchin aus der zentralen Küche des Heimes erklärte mir, dass der Heimleiter jeden Tag die Hälfte des Fleisches und Gemüses, was eigentlich für die Insassen gedacht war, in sein Auto nahm und es mit zu sich nach Hause nahm. Tja, Herr Mihet, da haben Sie sich weiß Gott nicht mit Ruhm bekleckert. Ich werde es nie nachvollziehen können, wie ein Mensch so tief sinken kann, dass er einem wehrlosen anderen Menschen das Essen vor der Nase wegnimmt.
Es wurde zu einer Art Ritual jeden Sonntagnachmittag, zu versuchen, möglichst viele gute Dinge in unseren Kofferraum zu stapeln und zu dem Heim zu bringen. Mittlerweile kannten wir viele der Insassen persönlich. Durch einen Mann, der die Fähigkeit des Sprechens beherrschte, geistig keinerlei Beeinträchtigungen aufwies, dafür aber körperlich schwer beeinträchtigt war. Er war bei seiner Familie aufgewachsen und kam erst als Erwachsener ins Heim. Durch ihn haben wir viele interne Details des Heimes erfahren.
Es sträubten sich uns die Haare, aber trotzdem hielten wir uns ein bisschen an dem fest, was wir unmittelbar tun konnten. Letztendlich waren wir ja gekommen, um zu versuchen, in dieser absolut unmenschlichen Umgebung wieder Menschen zu sein und das anderen auch zu zeigen.
Niemals , bis zu meinem letzten Tag auf dieser Erde werde ich vergessen, wie dankbar die Gesichter der einzelnen Bewohner waren, wenn wir kamen. Inzwischen hatte Tabita ihre Ausbildung als Sozialarbeiterin begonnen. Es war das Jahr 2014. In jener Zeit hatte ich nicht sehr viel Zeit, dorthin zu gehen. Unsere Familie wurde auf eine harte Probe gestellt, weil ich neben allen Kindern, die ich hatte, Zwillinge zur Welt gebracht habe. Wer mich näher kennt, kennt die Geschichte unserer Tochter Lillit, die leider nur 5 Tage alt wurde.
Ich bin Tabita bis heute dankbar, dass sie damals nicht das Handtuch geworfen hat, als es mir nicht gut ging. Ich hätte das alles damals nicht mehr geschafft. Und so hat sie es geschafft, eine Kontinuität herzustellen, die ich nicht hätte schaffen können. Wir waren einfach ein sehr gutes Team.
Und dann kam ein Tag im Jahr 2014, der alles ändern sollte. Tabita machte gerade ein Praktikum in der Einrichtung, weil sie parallel eine Ausbildung zur Sozialarbeiterin absolvierte. Wann immer ich es einrichten konnte, kam auch ich mit. An jenem besagten Tag kam ich etwas später als Tabita im Heim an. Sie war schon mehrere Stunden dort. Mir fiel auf, dass sie ganz weiß im Gesicht war. Zuerst dachte ich, es ginge ihr einfach nicht gut, dass sie eventuell Probleme mit dem Magen hätte oder so. Sie begrüßte mich mit einem so steinernen Blick, wie ich ihn noch nie gesehen hatte. Es war, als würde sie wie eine Statue vor mir stehen. Ich fragte sie, ob alles in Ordnung ist, sie schaute auf den Boden.
Aus dem Gebäude kam plötzlich Elli
Es freute sich so überschwänglich, mich zu sehen, dass ich diese Situation kurz in den Hintergrund rückte. Mit weit ausgebreiteten Armen nahm ich Elie und drückte sie an mich. In Elli konnte man ihre Energie förmlich spüren. Mein Blick fiel wieder auf Tabita. Ich fragte sie noch einmal, was los sei. Die Antwort kam sehr präzise und ohne eine Erklärung zu liefern: „Komm mit, Eli spricht laut, wir zeigen Dir etwas.” Woraufhin beide mich am Arm nahmen und mich in das Hauptgebäude führten.
An jenem Tag war es immer noch total kalt. Drinnen fast so kalt wie draußen. Es gab keine Zentralheizung, kein warmes Wasser. Nur türkische Toiletten. Dabei öffnete Eli die Tür einer der Toiletten und da sehe ich ihn sitzen. Einen nackten Mann. Der schon ganz blau gefroren war. Er hockte in der Ecke und nahm offensichtlich seine Umwelt gar nicht mehr wahr.
Zunächst verstand ich nicht und mich packte das blanke Entsetzen. Wo doch die Szene genau dort vor meinen Augen ablief, brauchte ich einen Moment, um zu registrieren, was ich sah. Es muss wohl eher durch das Aufklappen der Tür und den damit verbundenen kalten Wind des Luftzuges gewesen sein, dass dieser Mensch unsere Anwesenheit bemerkte. Er hob seinen Kopf und schaute uns an. Tränen rannen aus seinen Augen.
Oft habe ich gesehen, wie Menschen in extremen Situationen innerlich weinen. Bei ihm war das so. Es war, als würden die Tränen nach hinten laufen.
Ich fragte Tabita, warum das so sei, sie zog mich zur Seite. Ellie fasste meine Hand: „Er ist bestraft.” Sagte sie im Flüsterton. Ich war sehr erschrocken, vor allem, weil ich sah, dass dieser Mensch bereits blaue Zehen und Finger hatte:
„Er ist bestraft, weil er hat ins Bett gemacht. Das durfte er nicht, er hätte sagen müssen, dass er auf die Toilette muss. Und deswegen haben die Pflegerinnen ihn hier eingesperrt, das machen sie manchmal. Wenn jemand ins Bett macht.” Elli schaute mich an und ich erkannte, dass ihr Mitleid für mich und Tabita aus in diesem Moment viel größer war, als für den armen nackten Mann. In einem verdunkelten, kalten türkischen WC in einer Ecke, extrem dünn und der schon so viel geweint hatte, dass seine Tränen bereits nach innen liefen…
Mich packte die Wut. Ich suchte das zuständige Personal. Natürlich fand ich sie in einer kleinen Kaffeeküche, rauchend und Kaffee trinkend, wie immer. Ich fragte sie, ob sie zufällig gesehen haben, dass dort ein Mann in der Herrentoilette ist. Der bereits blaue Finger und Zehen hat. Die Antwort kam total gleichgültig: „Der ist bestraft. Wir lassen ihn nachher wieder in sein Bett, aber acht Stunden sind noch nicht um.”
Meine Mundwinkel begannen zu zucken. Meine Fäuste ballten sich und eigentlich hatte ich vor, jetzt auszurasten. Trotzdem hatte ich offenbar eine innere Stimme, die sagte: „Jenny, behalte die Nerven.”
Die Damen merkten offensichtlich überhaupt nicht, dass ich mit dieser Situation hochgradig unzufrieden war, um es zu sagen, völlig geschockt. Ganz im Gegenteil, sie erzählten darüber, dass sie ihn bereits seit fast acht Stunden dort drin haben und dass er sich das hinter die Ohren schreiben soll, nicht mehr ins Bett zu machen. Und dass er wahrscheinlich die ganze nächste Woche nicht mehr ins Bett machen wird. Sie hielten diese Methode offensichtlich für eine Erziehungsmaßnahme.
Ich hätte ihnen damals gerne erklärt, dass die Toilettenerziehung eines Kindes einen Entwicklungsprozess unterliegt, dass „sauber sein” eine Frage der Reife ist und kein Erziehungserfolg. In Anbetracht der Tatsache, auf welches niedrige Niveau das Gespräch stattfand, war mir klar, dass ich hier unnütz meine Zeit vertrödelte.
So ging ich entschlossen wieder zurück auf die Station, bat Elli und Tabita, mir mitzuhelfen, diesen Mann dort rauszuholen. Sie schauten mich beide an. Und Ellie flüsterte: „Jenny, dürfen wir das?” Ich schaute sie an und sagte mit sehr bestimmenden Ton: „Ja, wir dürfen das, wir müssen das sogar.”
Nachdem wir den Mann aufs Bett gelegt hatten, stellte ich fest, dass das Bett nass war, niemand hat es gewechselt. Elli erklärte mir, dass keine frische Bettwäsche da sei und dass somit heute kein Bett gewechselt werden könne. Sie deckte ihn mit einem dünnen Laken zu. Ich sah sie fragend an. Sie sagte: „Wir haben nicht so viele Decken und Kissen.”
Ich blickte auf das Gesicht dieses Menschen, der nur noch ein Schatten seiner selbst war. Ein Schatten, den andere Menschen kaum noch wahrgenommen haben. Er weinte nicht, er schrie nicht, er wehrte sich nicht. So, als ob er gar nicht mehr da war. Ich sollte später in einem Schrank eine Decke finden und ihn einwickeln.
Ich versuchte, seine Stirn zu streicheln. Er zuckte zurück, als ich meine Hand ausstreckte. Angst. Angst war hier der ständige Begleiter aller Beteiligten. Dieser Mann ist wenige Wochen später verstorben.
Ich kann mich leider nicht mehr erinnern
Ein Mensch , der nur noch ein Schatten seiner selbst war. Ein Schatten, den andere Menschen kaum noch wahrgenommen haben. Er weinte nicht, er schrie nicht, er wehrte sich nicht. So, als ob er gar nicht mehr da war. Ich sollte später in einem Schrank eine Decke finden und ihn einwickeln. Ich versuchte, seine Stirn zu streicheln. Er zuckte zurück, als ich meine Hand ausstreckte. Angst. Angst war hier der ständige Begleiter aller Beteiligten.
Dieser Mann ist wenige Wochen später verstorben. Ich kann mich leider nicht mehr erinnern, wie er hieß, weil ich es an jenem Tag nicht erfragt hatte.
Tabita und ich beschlossen, zurück nach Sibiu zu fahren. Elli war ganz traurig, dass wir schon wegfuhren. Für sie waren diese Dinge normal. Für uns war es mal wieder ein Ausnahmezustand, den wir einfach nicht begreifen konnten. Weil wir in diesem erschrockenen Zustand unsere Kinder nicht erschrecken wollten, hielten wir an einem kleinen Restaurant an. Wir tranken Kaffee und rauchten eine Zigarette nach der anderen auf der Terrasse. Obwohl es so kalt war, merkte ich diese Kälte nicht. Mein Blick gen Himmel – ich konnte es nicht glauben, dass das gerade wieder vor meinen Augen passiert war.
Tabita beginnt zu schluchzen. Aus dem Schluchzen wurde ein intensives Weinen. Aus dem Weinen ein Hyperventilieren.
Ich hielt sie ganz fest, wohlwissend, dass ich in diesem Moment sehr wenig ausrichten konnte
Sie weinte und wiederholte immer wieder, dass wir in die Öffentlichkeit gehen müssen. Dass wir es den Menschen sagen müssen, was dort ist. Und so fassten wir beide an jenem Nachmittag den Plan, die Medien von den Vorfällen in diesem Heim zu unterrichten.
Es dauerte nicht lange und wir hatten über das Internet eine Fernsehreporterin gefunden, die bereit war, sich mit uns zu treffen. Mir war damals nicht klar, dass sie ein kleines Licht war, in der großen Lichterkette der Medienindustrie. Die ganzen Ausmaße von Öffentlichkeitsarbeit waren mir zu dem Zeitpunkt noch nicht wirklich klar, einfach weil ich einfach noch keinen breitgefächerten Blick auf diese Dinge gehabt habe. Sie wirkte sehr interessiert, wir erzählten ihr alles, was wir erlebt hatten. Sie weinte, während sie redeten. Wir gaben ein Interview. Und dann kam der Moment, in dem das Ganze in den Nachrichten zu sehen war.
Die damalige Jugendamtleitung schaltete sich natürlich sofort ein. Und so kam es, wie es kommen musste. Man ließ die Reporter erst nach 4 Stunden in die Einrichtung. All diese Stunden musste das Kamerateam vor dem Tor warten. In den Berichten der darauffolgenden Kontrollen verschönerte das Jugendamt die Situation. So ist es hier unter den Wölfen – ein Wolf deckt den Anderen. Darum kann man solche Dinge so schwer beweisen.
Ich konnte es nicht fassen, dass aus dem Schritt an die Öffentlichkeit zu gehen nichts anderes resultierte, als dass ich keinen Zugang mehr zu der Einrichtung haben sollte. Ich begriff, dass nichts passieren würde. Außer eben, dass ich nicht mehr hinein durfte.
Genau das Gleiche ist mir hier in Sibiu im letzten Jahr passiert. Ich hab die Missstände eines Kinderheimes angezeigt. Und jetzt ist meine Hilfe für die Kinder nicht mehr erwünscht, die Leitung hat verboten, jegliche Spenden anzunehmen beziehungsweise Besuche bei den Kindern zu untersagen. So ist das hier, wenn man die Wahrheit sagt, wird man zur Person „non grata”.
Am nächsten Sonntagabend beschlossen Tabita und ich, es irgendwie zu versuchen, trotzdem in die Einrichtung zu kommen. Wir hatten Glück. Es war nur eine einzige Pflegerin in jener Nacht dort. Mit ihr verstanden wir uns relativ gut. Ich schickte ihr verschiedene SMS und sie antwortete mir, wann sie da sei.
Wann sie ihre Nachtschicht hatte und so kam es, dass wir an dem Sonntagabend mit der Dunkelheit zusammen wieder in dieses Lager gegangen sind.
Ich weiß, dass ich durch die verschiedenen Räume gegangen bin. Dass ich Trandafir seine Hände geküsst habe und gesagt hab, dass ich eines Tages wiederkommen werde und ihn hier herausholen werde.
Er zitterte vor Kälte. So wie alle in dem Raum. Elli ist zu diesem Moment immer noch mit der Wäsche beschäftigt. Es kam mir manchmal so vor, als ob ihrer Arbeit niemals enden würde. Es wirkte auf mich so, dass diese Frau nichts anderes tat, als wie eine Sklavin zu arbeiten, und ich stellte mir ernsthaft die Frage, wann Ellie eigentlich schlief.
Ich hab an jenem Abend so viele dünne Hände in meine Hände genommen. Im Einzelnen versprach ich, dass ich alles daran setzen würde, wiederzukommen. Dass es bessere Zeiten geben würde. Aber dass ich momentan nichts ausrichten kann.
Daniel, der Mann mit der ganzen Körperlähmung, aber ohne geistige Beeinträchtigung, sprach mit Tabita an jenem Abend. Er sagte: „Geht hier weg von diesem Ort. Geht hier weg. Ihr könnt sie nicht stoppen, sie sind wie die Wölfe. Geht irgendwohin und verändert die Welt, wo ihr sie verändern könnt. Hier habt ihr keine Chance. Wir alle werden verhungern oder erfrieren. So ist es geplant. Aber es ist so schön, euch kennengelernt zu haben.”
Auf dem Weg nach Sibiu schaue ich wieder in den Himmel. Ich würde wiederkommen, die Frage war lediglich wann.
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✍ Material realizat și asumat de Jurnalist Durbaca Dragoș.
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